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09.01.2008 | Rubrik: Presse | Thema: Umwelt / Natur | Stichwort: Biomasse, Klimaschutz

Klimaschutz: Biomassepotentiale im Kreis Offenbach

Aus Mist und Biomüll könnte schon bald Wärme für Schulen werden. Grüne wollen Nutzung von Biomasse mit Bedacht und Augenmaß für Naturschutz

„Vom Kreis muss man mehr erwarten können als die schlichte Moderatorenrolle zu übernehmen, wenn es um die zukünftige Nutzung der Biomassepotentiale im Kreis geht“, entgegnet Robert Müller, energiepolitischer Sprecher der Kreistagsfraktion, der Umweltdezernentin Claudia Jäger (CDU), die diese Rolle für sich kürzlich in einer Pressemitteilung (*) postuliert hatte, „Ziel muss ein regionales Konzept sein, das die vorhandenen Rohstoffpotentiale, den Bedarf und zukünftige Anlagenkapazitäten in Einklang bringt und insbesondere naturschutzrechtliche Belange berücksichtigt.“
Für ein solches Konzept wollen die Grünen mit einem Antrag in der nächsten Sitzung des Kreistages den Grundstein legen.

„Im besonderen Maße gilt es, für die Biomassenutzung die Weichen so zu stellen, dass die Verwertung nicht in ökologisch und sozial unvertretbares Fahrwasser gerät“, unterstreicht dazu Hans-Peter Bicherl, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion „Weder ist es in den Entwicklungsländern tolerierbar, dass Regenwald zugunsten von Palmöllieferplantagen für die Industrienationen fällt oder Anbauflächen für Nahrungsmittel dem Energiepflanzenmarkt weichen noch sind Monokulturen oder gar der Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen akzeptabel!“

Auf diesem Hintergrund gehört nach Meinung der Grünen die Nutzung der Biomasse zwar unabdingbar als Baustein zu einem zukunftsorientierten Energiemix, gleichwohl nur mit einer klaren, zielgerechten umweltverträglichen Strategie.
Obwohl von Seiten der hessischen Landesregierung die Bedeutung der Biomassenutzung immer wieder betont wurde und sie gar den Eindruck erweckt hat, dass ein Ziel von 15% Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch bis 2015 fast nur mit Biomassenutzung zu schaffen wäre, gibt es bis heute keine zukunftsfähige Strategie: mit der Biopotentialstudie des Umweltministeriums aus dem Jahr 2005 und einer Aufstockung des entsprechenden Förderprogramms hatten die Aktivitäten schon bald wieder ein Ende gefunden: 2,1% des hessischen Anteils entfallen auf nachwachsende Rohstoffe.
„Die Blockadepolitik der Landesregierung hat Hessen in Sachen erneuerbarer Energien völlig abgehängt“, führt Robert Müller dazu aus, „Gerade mal bei etwa 4,5% liegt der Anteil der erneuerbaren Energien in Hessen, deutschlandweit durchschnittlich bei 10% – im Strombereich sogar inzwischen bei 14,3%, während Hessen unter 6% dümpelt – kaum zu fassen in einem Bundesland, dessen Süden in einem für Solarstrom privilegierten Raum liegt!“

Die Biomassepotentialstudie des hessischen Umweltministeriums geht für den Kreis Offenbach von einem Biomassepotential von 241.400 MWh/Jahr aus, was einem Heizöläquivalent von 23 Mio Litern pro Jahr entspricht. Inbegriffen sind in diesen Angaben Holz, Ackerbau und Bioabfall / Grünlandverwertung.

„In einem dicht besiedelten Raum wie dem Kreis Offenbach könnte es von großem Interesse sein, den getrennt eingesammelten Bioabfall für die Gewinnung von Biogas zu nutzen“, blickt Robert Müller in die Zukunft, „Eingespeist in Mikrogasnetze könnte Biogas durch Kraft-Wärme-Kopplung effizient genutzt werden.“

Von den derzeit 64 Biogasanlagen in Hessen steht keine im Kreis Offenbach. Eine erste befindet sich in Mühlheim in der Projektierungsphase.
„Die Reststoffe aus Landwirtschaft, Deponien, Kläranlagen und Bioabfall könnten schon bald Schulen und neue Baugebiete beheizen, wenn man ambitioniert ans Werk ginge und Bundes- und Landespolitik die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen würden“, so Robert Müller abschließend.

* (vgl. dazu: Pressemitteilung vom 12.12.07 Biomassepotentiale im Kreis Offenbach)


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